Veranstaltungsreihe „Weg mit §218 – 150 Jahre Fremdbestimmung sind genug“

Auftakt der Veranstaltungsreihe

Die Veranstaltungsreihe „Weg mit §218 – 150 Jahre Fremdbestimmung sind genug!“ findet zwischen 15.05.2021, dem 150. Jahrestag der Einführung des Paragraphs ins Strafgesetzbuch und dem Safe Abortion Day am 28.09.2021 statt.

Am 18.07. um 19Uhr findet die dritte Veranstaltung unserer Vortragsreihe statt. Wir laden euch herzlich ein gemeinsam im Karlstorkino in Heidelberg den Film „Der lange Arm der Kaiserin“ von Susanne Riegler zu schauen und im Anschluss zu diskutieren.

Der Film „Der lange Arm der Kaiserin“ zeigt mehr als deutlich auf, welches unfassbare Leid das staatliche Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen schon seit hunderten von Jahren in allen Ländern generiert. Neben einer historischen Analyse werden die tragischen Situationen von Frauen, welche gezwungen sind einen illegalen Abbruch durchzuführen, von verschiedenen ZeitzeugInnen authentisch geschildert. Am Ende spannt der Film einen Bogen bis in die Gegenwart und zeigt auf, dass die reproduktiven Rechte auch heute noch stark durch staatliche Interventionen und politische wie kirchliche Interessen eingeschränkt werden.

Am 27.06. um 20Uhr findet unsere zweite Veranstaltung der Vortragsreihe „Weg mit Paragraph 218 – 150 Jahre Fremdbestimmung sind genug“ im Youtube-Livestream statt. Unter dem Titel „Mein Bauch gehört mir – über die Geschichte der Pro-Choice Bewegung“ wird Brigitte Kiechle in Form eines Gesprächs mit dem Feministischen Bündnis Heidelberg über die Geschichte der Pro-Choice Bewegung berichten. Hierbei werden einerseits ihre persönlichen Erfahrungen als langjährige feministische Aktivistin Gehör finden und andererseits die Kämpfe der Frauen von damals mit den Kämpfen der Frauen von heute einen Abgleich finden.

Die erste Online-Veranstaltung mit Fragerunde „Warum Frauen seit 150 Jahren Widerstand leisten“ vom 06.06.2021 kann hier im Youtube-Stream nochmal angeschaut werden.

Kundgebung „Weg mit §218“ – ein Rückblick

Wir bedanken uns bei all den tollen Beiträgen und allen mitwirkenden Gruppen und Einzelpersonen bei der Kungebung am 15.05.2021.

Die Rote Hilfe Heidelberg/Mannheim hält einen Redebeitrag zur „Repression im Kampf gegen den
§ 218″

Im Folgenden findet ihr unseren Redebeitrag.

Abtreibung – eine feministische Analyse

Liebe FreundInnen, Feministinnen und PassantInnen!

Ob es legitime Gründe für ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen gibt, sollte eigentlich keine Frage mehr sein – seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für reproduktive Gerechtigkeit. Doch für viele Menschen steht die körperliche Selbstbestimmung der Frau noch zur Debatte. Dabei sprechen wir hier nicht nur von FundamentalistInnen und Rechtsradikalen, sondern auch von weiten Teilen des konservativen Bürgertums.

Heute wollen wir über die patriarchalen Argumente gegen Schwangerschaftsabbrüche und die daraus resultierenden Konsequenzen für Frauen, die einen Abbruch durchführen wollen, sprechen.

Der Kernpunkt der Argumentation für ein Verbot von Abbrüchen liegt in der Ausdehnung des moralischen Status von Erwachsenen auf Embryonen. Das bedeutet, dass dem menschlichen Embryo derselbe moralische Status und dasselbe unantastbare Recht auf Leben wie erwachsenen Menschen zugesprochen wird. Die logische Konsequenz daraus: Schwangerschaftsabbrüche seien Mord.

Ein weiterer Grund, Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht zu verwehren, stellt für AbtreibungsgegnerInnen die religiös begründete „Heiligkeit des Lebens“ dar. Die Heiligkeit des Lebens wird von Strenggläubigen damit begründet, dass ein Mensch von der Empfängnis an ein von Gott geschaffenes Wesen sei.

Doch nicht nur Gläubige gehen von dieser Argumentation aus, sondern auch die Justiz. Statt der Heiligkeit des Lebens wird hier die vermeintliche Menschenwürde des Embryos als Grund herangezogen, um Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht abzusprechen.

All diese Argumentationsformen suchen einen Weg, um zu begründen, warum das menschliche Leben ab einem bestimmten Zeitpunkt schützenswert ist. Das ausschlaggebende Werturteil, das hier getroffen wird, wird gar nicht erst angesprochen: Das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frau wird gegen die auf verschiedene Arten konstruierten Rechte des ungewollten Embryos, der sich in ihrem Körper befindet, abgewogen. Hier wird also nicht in erster Linie begründet, ab wann menschliches Leben schützenswert ist, sondern es soll ein Zeitpunkt festgelegt werden, ab dem der Verbleib eines ungeborenen Zellhaufens wichtiger ist als die körperliche Selbstbestimmung, die Lebensplanung und ultimativ die Würde der Frau.

Hier wird schnell deutlich, dass hinter den Argumenten von Abtreibungsgegner und -gegnerinnen keine rational begründbaren Thesen stehen, sondern vor allem eines: der Wille, über den weiblichen Körper zu bestimmen.

Dass die konstruierten Rechte des Ungeborenen von ihnen wie selbstverständlich über das Leben und den Körper der Frau gestellt werden, zeugt davon, dass Frauen für diese Menschen nicht viel mehr als Gebärmaschinen sind, die ihrer Funktion nicht nachkommen, wenn sie einen Abbruch durchführen wollen.

In diesen Kreisen macht man sich Sorgen, dass Frauen ohne ein Verbot wegen ihrer Urlaubsplanung und aus allen möglichen, arbiträren Gründen abtreiben würden. Es scheint so, als würden Abtreibungsgegner*innen denken, dass Frauen zum Spaß Schwangerschaften abbrechen. Dass Frauen dazu fähig sind, rational zu denken und autonome Entscheidungen zu treffen, und dass sich keine Frau eine Abtreibung wünscht, weil es ihr so große Freude macht, ist für sie nicht vorstellbar.

Doch das misogyne Frauenbild und die irrationalen Ängste der GegnerInnen und KritikerInnen von Abtreibung zeigen gesellschaftliche Wirkung:

Ein Schwangerschaftsabbruch ist bis heute ein gesellschaftliches Tabu, das vom Gesetzgeber nur gebilligt wird, wenn die betroffene Frau eine Handvoll willkürlicher Auflagen erfüllt. Die Frist von 12 Wochen, die einer medizinischen Begründung entbehrt und die an die katholische Idee der Beseelung angelehnt ist; das bevormundende, verpflichtende Beratungsgespräch, dessen gesetzlich vorgeschriebenes Ziel es sein soll, die Frau von der Abtreibung abzubringen; dass die Frau zwei verschiedene ÄrztInnen aufsuchen muss, weil Beratung und Abbruch nicht von derselben Ärztin vorgenommen werden dürfen – in den Paragraphen 218 bis 219b wird deutlich, dass die Frau auch vom Gesetzgeber für nicht imstande befunden wird, Entscheidungen über ihren eigenen Körper zu treffen.

Abgesehen von diesen gesetzlichen Hürden erschweren eine absurd geringe Dichte an Abtreibungskliniken und ÄrztInnen, die bereit sind, diesen Eingriff durchzuführen, den Prozess. Auch in Heidelberg findet sich keine Klinik, die bereit ist, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Im Uniklinikum beruft man sich auf christliche Werte. Triftigere Gründe dafür sind der Umstand, dass der Eingriff im Medizinstudium nicht gelehrt wird, sämtliche Weiterbildung also eigenständig erfolgen muss, und praktizierende ÄrztInnen mit Angriffen, Diffamierungen und Anzeigen von Abtreibungsgegnern zu rechnen haben.

Nicht nur die Suche nach einer Klinik und die Reise dorthin, die in den meisten Fällen mehrere hundert Kilometer umfasst, sondern auch das verpflichtende Beratungsgespräch stellt ein Hindernis dar. Eine Zwangsberatung spricht Schwangeren die Fähigkeit ab, selbstständig denken und entscheiden zu können.

Religiöse Organisationen lauern auf Frauen, die in der nervenaufreibenden Zeit einer ungewollten Schwangerschaft Hilfe und Rat suchen – und vor allem eine Beratungsbescheinigung. Dabei geben sich für Beratungsstellen aus, obwohl sie nicht imstande sind – und auch nicht planen –, eine Beratungsbescheinigung auszustellen, die für die Abtreibung benötigt wird. Stattdessen ist ihr einziges Ziel, Schwangere zu manipulieren und sie um jeden Preis von einer Fortführung der ungewollten Schwangerschaft zu überzeugen. Die Frauen werden von diesen Stellen hingehalten, bis die zwölfwöchige Frist verstrichen ist, in der ein Schwangerschaftsabbruch noch nicht strafbar ist. So zum Beispiel die scheinheilige Stelle „Pro Femina“, die es auch in Heidelberg Handschuhsheim gibt.

Der Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft wird durch das archaische geltende Recht, die mangelhafte medizinische Infrastruktur und die Hinterlist von religiösen Fanatikern, die sich nicht um ihren eigenen Kram kümmern können, massiv erschwert. Hinzu kommt außerdem das gesellschaftliche Stigma, dem Frauen ausgesetzt sind, die abgetrieben haben. Auch 50 Jahre nach der EMMA-Kampagne „Wir haben abgetrieben!“ wird nicht offen über Schwangerschaftsabbrüche gesprochen.

Wir fordern, dass Schwangerschaftsabbrüche als selbstverständliche Ausübung der weiblichen Selbstbestimmung anerkannt werden! Das heißt: eine grundlegende Überarbeitung der Paragraphen 218 bis 219b des Strafgesetzbuchs, die auf die nur dünn als Moral kaschierte, patriarchale Bevormundung der Frau verzichtet und unser Recht auf körperliche Selbstbestimmung vollständig anerkennt!

Platz für Sorge schaffen – Warum eine Care Revolution nötig ist!

Online-Vortrag und Diskussion mit Gabriele Winker am 18.05. um 19:00 Uhr

Corona zeigt besonders klar: Nichts geht ohne die vielen, die sich in Beruf, Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft um andere kümmern.
Warum ist die Sorge um andere so viel weniger wert als wachsende Profite für Wenige?
Wie gelingt uns der Weg in eine Gesellschaft, in welcher die Sorge umeinander und die Solidarität miteinander im Mittelpunkt stehen?

Gabriele Winker ist Sozialwissenschaftlerin und versucht, die Analyse gesellschaftlicher Bedingungen mit politischen Handlungsoptionen zu verbinden. Ihr gegenwürtiger Schwerpunkt liegt in der Kritik neoliberaler Verhältnisse sowie der Konkretisierung von Transformationsstrategien, die in eine solidarische Gesellschaft führen können.

Mehr Informationen unter

https://care-revolution.org/

https://www.gabriele-winker.de/

Die Corona-Krise ist weiblich

13 Monate leben wir in einer Pandemie. Die Corona-Krise hat so einige blinde Flecken sichtbar gemacht. Die Corona-Krise hängt eng mit dem System des Kapitalismus zusammen. Wurden diese Flecken bereits vor der Pandemie kritisiert, so sind sie nun kaum noch zu übersehen. Hiervon sind besonders die Frauen der Gesellschaft stärker betroffen als die Männer. Aber warum ist das so? Die Antwort lautet – Surprise – das Patriarchat. Ein System, das auf unbegrenztem Wachstum und Profitstreben beruht. Das einzelnen Personengruppen Macht und Privilegien zuspricht, sie im gesellschaftlichen Leben bevorzugt und auf der anderen Seite all diejenigen ausbeutet, die diesen bevorteilten Personengruppen nicht entsprechen. Doch das Patriarchat betrifft uns alle.

Das fängt bei der Erziehung an, bei Vorstellungen von weiblichen und männlichen Rollenbildern wie Stärke zeigen und Schwäche vermeiden und es zieht sich über alle Alters-, Gesellschaftsgruppen und Szenen hinaus. Es ist kein Zufall, dass vor allem Frauen eher in sogenannten „systemrelevanten“ Bereichen wie beispielweise der Pflege arbeiten, oder dass bei Schließungen von Schulen und Kitas eher Mütter statt Väter den Spagat zwischen Kindererziehung und nun auch noch Homeoffice wagen müssen.

Toxische Vorstellungen von Männlichkeit haben uns hierhin geführt. Damit meinen wir die systematische Ausübung von Macht und Privilegien, welche Männern ganz selbstverständlich und unhinterfragt zustehen – wer beispielsweise im Haushalt ganz selbstverständlich für Sauberkeit, Essen und emotionale Unterstützung durch Zuhören oder Care Arbeit sorgt – und nun noch stärker durch die Pandemie diese Aufgaben übernimmt, die das gesellschaftliche System auf kleinster Ebene, der „Familie“, stützt. Oder wer aufgrund dieser Geschlechtszuschreibungen und Erwartungen prekäre Berufe wählt, die zwar „systemrelevant“ sind, aber mit weniger Gehalt und Altersarmut einhergehen. Oder wie sieht es mit Sicherheit aus, um die Unversehrtheit des eigenen Körpers und der eigenen Würde? Dass der Aufenthalt im öffentlichen Raum, ob bei Tag oder bei Nacht mit einem Gefühl von Unsicherheit zusammenhängt, beispielsweise durch ungefragte, sexistische Kommentare oder gar die Gefahr körperlicher Gewalt, kennen besonders Frauen.

Das alles ist für Frauen nichts Neues, denn die Erfahrungen gehören zu unserem Alltag im Patriarchat. Hinzu kommt nun die weitere Gefahr durch einen Virus, und damit noch mehr Unsicherheiten für Körper und Seele. Seit 13 Monaten werden die Probleme, die schon vorher da waren, ins Private abgewälzt und auf die Ebene der Familie und die Schultern der bis zum Burnout oder gratis arbeitenden Frauen verdrängt. Frei nach dem Motto „Hauptsache der Wirtschaft und dem Patriarchat geht’s gut“. 

Bei einer genaueren Analyse der momentanen Verhältnisse zeigt sich: Die Corona-Krise ist weiblich!

Dennoch spiegelt sich in den Maßnahmen und Debatten ein androzentrisches Weltbild wider.  

Frauen werden nahezu unsichtbar in tradierte und teilweise schon längst überholte Rollenbilder zurückgedrängt. So übernehmen berufstätige Mütter mehr als doppelt so häufig die Betreuung der Kinder, wenn Tagesstätten und Schulen geschlossen werden oder deren Besuch ein zu hohes Infektionsrisiko für die im Haushalt Lebenden darstellt. Die Pflege von Angehörigen zwingt Frauen häufiger dazu, sich weitgehend isolieren zu müssen, um die Pflegebedürftigen nicht zu gefährden.

Neben Homeoffice und Homeschooling, häuslicher Pflege von Angehörigen und dem Zurückdrängen der Reproduktionsarbeit in den privaten, unsichtbar gemachten Bereich hat sich die soziale Ungleichheit von Frauen zusätzlich vergrößert.

Die erste durch die Pandemie verursachte Entlassungswelle traf vor allem Arbeitsbereiche des ohnehin schon prekären, informellen Sektors. Die Arbeiterinnen in normabweichenden Lohnarbeitsverhältnissen haben seit Beginn der Pandemie europaweit 70 Prozent ihres Gehalts eingebüßt. Zudem getroffen wurden Angestellte im Einzelhandel, im Gastgewerbe und im Tourismus – all dies sind Arbeitsfelder mit einem extrem hohen Frauenanteil. 

Die Geschichte zeigt: Auch nach der Krise fällt es Frauen deutlich schwerer wieder zurück in die Lohnarbeit und somit in die eigenverantwortliche und unabhängige Versorgung zu kommen. Sie bleiben im Durchschnitt länger arbeitslos als dies bei Männern der Fall ist. 

Bei der Erforschung von Medikamenten werden Frauen oftmals nicht beachtet, obwohl Wirkung und Nebenwirkung unter Umständen geschlechtsspezifisch sind. Die Gesundheitsversorgung von Frauen wird zweitklassig behandelt, obgleich sie – wenn es hart auf hart kommt – hauptsächlich von Frauen geleistet wird. 

Frauen machen weltweit 70 Prozent des Personals in Sozial- und Pflegeberufen aus. Die ohnehin schon angespannte Lage des ausverkauften Gesundheitswesens wird hauptsächlich durch die Ausbeutung der Angestellten im Gesundheitssektor abgefedert. Urlaubsaussetzungen, Überstunden, Doppelschichten und Burnout winken uns aus der Pandemie entgegen.

Zudem birgt die Arbeit im Sozial-, Gesundheits- und Reinigungssektor ein hohes Infektionsrisiko, vor dem die dort tätigen Frauen sich schwerer schützen können. Homeoffice ist nicht!

Die Hashtags #Pflexit und #PflegtEuchDochSelbst bringen die Wut und Verzweiflung der betroffenen Fachkräfte auf den Punkt. Pflegeberufe sind mehr als Applaus wert, den Applaus kann man nicht fressen. 

Der Begriff systemrelevant wirkt hier nahezu zynisch und kann teilweise folgendermaßen übersetzt werden: Systemrelevant ist prekäre, unterbezahlte Arbeit unter krankmachenden Bedingungen. Im Kapitalismus tritt die mehrfache Ausbeutung von Frauen offen zutage und nimmt immer wieder neue Formen an. Relevant für dieses System zu sein – welch ein Hohn. 

Krisen verstärken Diskriminierungsformen – doch die ungleiche Betroffenheit spielt bei bisherigen Maßnahmen gegen die Pandemie keine Rolle. 

Vor allem betroffen sind die, die ohnehin schon von Rassismus, Klassismus und Sexismus betroffen sind z.B. Women of Color oder Frauen, die in Armut leben. 

Der weiße Mann als Norm der Gesellschaft und viele ihm zugeschriebene Bereiche hingegen werden kaum von Maßnahmen reglementiert. 

Während Rheinmetall unbehelligt unter nahezu normalen Umständen den neuen – natürlich sehr systemrelevanten – Panzergrenadier produziert – wird der private Bereich weitgehend verregelt. Immer wieder wird behauptet, der Ort der Infektionsübertragung wäre das Zuhause und eine Schließung von Fabriken, Großraumbüros und anderen Arbeitsorten somit nicht notwendig. 

Wir widersprechen dem klar! Das Coronavirus sitzt nicht zuhause zwischen Bügelwäsche und Kühlschrank und wartet fröhlich darauf sich zu verbreiten. Es wird in den privaten Bereich hineingetragen und das selbstverständlich auch durch die Nicht-Reglementierung von kapitalistisch organisierten Arbeitsstätten. 

Die erhöhte Gefahr Opfer von sexualisierter oder häuslicher Gewalt zu werden ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Frauen von der Coronapandemie ungleich härter betroffen sind. 

Gewalt gegen Frauen begründet sich im patriarchalen Geschlechterverhältnis und im androzentrischen Weltbild der Mehrheitsbevölkerung.

Gewalt gegen Frauen ist immer der Versuch, das patriarchale Geschlechterverhältnis aufrechtzuerhalten.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und ist für alle Frauen eine allgegenwärtige Drohung.

Am häufigsten sind Frauen daheim im Kreise ihrer Liebsten Gewalt ausgesetzt und von Gewalt betroffen. Entgegen des weit verbreiteten Denkens ist es für Frauen NICHT draußen auf der dunklen Gasse am gefährlichsten. Am gefährlichsten ist es für Frauen daheim mit ihrem Partner, mit engen Freunden, mit dem Vater, mit dem Onkel, mit dem Opa, mit dem Exfreund. Denn viele Männer sehen es als ihr gutes Recht an, Macht über den weiblichen Körper in Form von sexualisierter Gewalt wie zum Beispiel einer Vergewaltigung auszuüben.

Die für viele Frauen alltägliche häusliche Gewalt wird selten zur Anzeige gebracht, weil die Aussichten auf staatliche Unterstützung schlecht sind.

Häusliche Gewalt wird selten zur Anzeige gebracht, weil die Frauen in einem strukturellen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Weil sie Angst vor der gesellschaftlichen Ächtung haben, die viele Frauen trifft.

Häusliche Gewalt wird ebenfalls selten zur Anzeige gebracht, weil Frauen sich schämen, die Schuld auf sich selbst projizieren, ihr Gesicht bewahren wollen oder sie ganz einfach Angst vor noch schlimmeren Misshandlungen haben.

Durch die Pandemie werden alle Menschen vermehrt auf ihr häusliches Umfeld zurückgeworfen. Die Kontakte mit den Mitmenschen beschränken sich auf die Engsten und Liebsten. Durch die Kinderbetreuung sind viele extrem gefordert. Viele leben auf engstem Raum plötzlich 24/7 zusammen und sind vermehrt Ängsten und ihrer eigenen Hilflosigkeit ausgesetzt. Dies ist ein Katalysator für häusliche Gewalt, unter welcher vor allen Dingen Frauen leiden.

Viele Frauenhäuser und Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen berichten besorgt, dass sich seit der Pandemie immer weniger Frauen bei ihnen melden. Sie gehen davon aus, dass viele Frauen schlichtweg keine Möglichkeit haben, 5 Minuten in Ruhe und ohne Angst vor Kontrolle zu telefonieren. Auch befürchten sie, dass der fehlende Austausch mit anderen Menschen zu weniger Meldungen führt. Denn niemand kriegt es mit, wenn der ganze Körper mit blauen Flecken übersät ist. Man muss diese nicht einmal überschminken.

Das höchste Ausmaß, das die Gewalt gegen Frauen annehmen kann, ist der Femizid. Als Femizid bezeichnet man die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Laut des BKA wurden in Deutschland in den letzten drei Jahren jährlich 100 Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Deutschland und alle anderen Rechtssysteme verbieten die Tötung von Frauen und erkennen somit theoretisch den Subjektstatus der Frau an. Wie instabil und fragil jedoch dieser Subjektstatus ist, wird mit jedem Femizid mehr als deutlich. Bei jedem Femizid stabilisiert sich die männliche Subjektivität dadurch, dass Kränkung und Kontrollverlust des Mannes mit der Auslöschung eines weiblichen Subjektes vergolten werden. Mit anderen Worten: im Femizid bestraft der Mann die Frau dafür, dass sie ihn verlässt, „sein“ Kind abtreibt, ihn sexuell im Häuslichen oder in einer Prostitutionsstätte zurückweist, seine Männlichkeit verletzt, weil sie mit einer anderen Frau zusammen ist.

Am Ende ist uns wichtig zu betonen, dass Formen der Männlichen Gewalt nicht nur ein Teil der Mehrheitsbevölkerung sind. Gewalttätige Männer stehen auch heute hier mit uns, männliche Gewalt findet auch inmitten unserer eigenen Szene statt. Schaut genau hin, achtet Grenzen, seid solidarisch und aufmerksam.

Gegen Macker und Sexisten – Fight the Power, Fight the System

150 Jahre §218 StGB – Es reicht!

Ersatzlose Streichung und nicht weniger!

Wir Frauen* fordern das Recht, selbst zu entscheiden, ob wir überhaupt Kinder wollen, wann wir Kinder wollen und wieviele Kinder wir wollen. Dazu gehört auch das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, nach den besten medizinischen Bedingungen und kostenlos.

Am 15.5.1871 wurde der §218 ins Reichstrafgesetzbuch aufgenommen. Seit dieser Zeit besteht auch der Kampf für die Abschaffung dieses Schandparagraphen. Bis heute ist ein Schwangerschaftsabbruch in der BRD immer noch grundsätzlich strafbar und gilt nur unter bestimmten Bedingungen als gerechtfertigt. Dies ist unter anderem innerhalb der ersten drei Monate der Schwangerschaft nach Zwangsberatung der Fall. Es muss endlich Schluss damit sein, dass Lebensentscheidungen von Frauen* letztlich von Moralvorstellungen und dem konservativen Frauen*bild von Kirchenmännern, Politiker*innen, rechten „Lebensschützer“ –Kreisen, Richter*innen und Staatsanwält*innen abhängig gemacht wird.

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30. April: Demo „Die Krise an der Wurzel packen! Solidarisch gegen Staat und Kapital!“

Am 30. April 2021 werden wir gemeinsam auf die Straße gehen: Unter dem Motto „Die Krise an der Wurzel packen! Solidarisch gegen Staat und Kapital!“ startet um 18 Uhr eine antifaschistische und antikapitalistische Demonstration an der Stadtbücherei Heidelberg. Und wie immer gilt: Aufstand mit Abstand – bringt Mund-Nase-Schutz mit.

https://aihd.noblogs.org/files/2021/04/Krise_an_der_Wurzel_packen.jpg

Im Folgenden findet ihr den Aufruf:

Die Krise an der Wurzel packen – solidarisch gegen Staat und Kapital!

Deutschland im Frühjahr 2021: Daimler zahlt eine 1,4 Miliarden Euro schwere Gewinnausschüttung an seine Aktionär*innen. Dieser Gewinn beruht zu wesentlichen Teilen auf Kurzarbeit und staatlichen Corona-Hilfs-Geldern. Die Kurzarbeiter*innen, die diese Gewinne erwirtschaftet haben, sehen selbstverständlich nichts davon. Während bei Aktionär*innen der Schampus fließt, müssen diejenigen, die den Schampus erarbeitet haben, überlegen, wie sie mit den verknappten Löhnen über die Runden kommen, und bemüht sein, vor Beginn der Ausgangssperre wieder in ihren engen Stadtwohnungen zu sitzen. Wenn der Staat sich dann seine Investitionen in die Krisenkonjunktur zurückholen will, werden vermutlich wieder nicht die Krisengewinner*innen zur Kasse gebeten, sondern diejenigen, die schon jetzt unter der Last der Krise leiden.

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Weg mit §218 – 150 Jahre Fremdbestimmung sind genug!

Kundgebung am 15.05.21 – 18:00 – 19:30, Universitätsplatz Heidelberg

Flyer zur Kundgebung

§218 wird 150 Jahre alt. Das heißt, dass seit dem 15.05.1871 Schwangerschaftsabbrüche als Tötungsdelikte klassifiziert werden. Und das heißt auch, dass Frauen, die über ihre reproduktiven Rechte und ihren Körper selbst bestimmen wollen, bereits seit 150 Jahren kriminalisiert werden.

Deshalb wollen euch einladen mit uns auf die Strasse zu gehen, um dem ein Ende zu setzen. Wir kämpfen für die Abschaffung des §218 und eine uneingeschränkte Selbstbestimmung aller Frauen und werden nicht ruhen, solange uns unsere reproduktiven Rechte nicht endlich zugestanden werden.

Es wird verschiedene Rede- und musikalische Beiträge geben. Falls ihr Lust habt, die Kundgebung mit einem Redebeitrag, Auftritt oder Infostand zu bereichern, meldet euch gerne bei uns unter feministisches_buendnis_hd (at) riseup (dot) net.

Mehr Informationen zur Veranstaltung unter https://www.facebook.com/events/998433954025785/

Vortrag „Arbeiterinnen, kämpft mit in der Roten Hilfe!‘ – Frauen in der RHD“ am 19.04.

Am 19. April veranstalten wir gemeinsam mit der Roten Hilfe Heidelberg/Mannheim, der Antifaschistischen Initiative Heidelberg und dem Hans-Litten-Archiv den Online-Vortrag „‚Arbeiterinnen, kämpft mit in der Roten Hilfe!‘ – Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands“. Die Referentin Silke Makowski vom Hans-Litten-Archiv wird in dem Vortrag zu den Roten Helferinnen in der Weimarer Republik und im antifaschistischen Widerstand ab 1933 sprechen.

Wann: 19.04. um 19.30Uhr Wo: https://rote-hilfe.collocall.de/b/dem-gjj-l6q-egi

Die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war in der Weimarer Republik eine in der gesamten ArbeiterInnenbewegung beliebte Solidaritätsorganisation, die zuletzt über eine Million Mitglieder umfasste. Auch nach dem Verbot durch die Nazis im März 1933 setzten die Widerstandsgruppen der RHD ihre vielfältigen Aktivitäten fort, informierten über den NS-Terror und unterstützten die Familien der politischen Gefangenen.

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Gespräch mit der Aktivistin und Aussteigerin Sophie Hoppenstedt

Wann: Samstag, den 03.04.2021 um 19Uhr hier im Youtube Live-Stream

Die Krise steckt im System – Prostitution

Gespräch mit der Aktivistin und Aussteigerin Sophie Hoppenstedt

Frauen in der Prostitution leben und arbeiten meist in sehr prekären Verhältnissen.

Sie sind ständig Armut, Ausbeutung und sexueller Gewalt ausgesetzt und dabei häufig zusätzlich von rassistischer Diskriminierung betroffen. Die Corona-Krise hat diese Situation weiter verschlimmert und den eklatanten Mangel an Ausstiegsmöglichkeiten und staatlichen Hilfen für Frauen in der Prostitution verdeutlicht.

Gemeinsam mit der Aktivistin und Aussteigerin Sophie Hoppenstedt vom Netzwerk „Ella e.V.“ wollen wir über das Versagen staatlicher Regulierung reden und dabei insgesamt das System Prostitution als gesellschaftliche Institution hinterfragen.

Hierzu diskutieren wir unter anderem das „Nordische Modell“ und in wie weit es Frauen in der Prostitution mehr Sicherheit und Unterstützung bieten kann. Anstelle der Kriminalisierung von Frauen, werden hier Freier und Zuhälter vom Sexkauf abgehalten.

Im Anschluss habt ihr dann die Möglichkeit, eure eigenen Fragen zu stellen.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

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