Rückblick Frauen*kampftag 2023

Auch dieses Jahr sind wir am 8. März wieder in Heidelberg auf der Straße gewesen, um gegen das Patriarchat zu kämpfen.

Unter dem Motto Nicht unser Krieg – Unsere Solidarität gegen eure Waffen wurde in diesem Jahr insbesondere die Situation von Frauen, Mädchen und anderen marginalisierten Gruppen in Kriegsgebieten und auf der Flucht thematisiert.

Hier findet ihr einige Eindrücke sowie unsere Rede.

Nicht unser Krieg – Unsere Solidarität gegen eure Waffen!

Wir möchten den diesjährigen Frauenkampftag nutzen, um über Krieg zu sprechen – und zwar darüber, was Krieg für uns Frauen bedeutet.

Selten war die Stimmung in Deutschland so kriegsfreudig und geschichtsvergessen wie momentan. Über die unbedingte Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine wird in den Medien diskutiert, als handle es sich dabei um ein Strategiespiel – als hätte der Krieg nicht bereits den Tod zehntausender bis hunderttausender Menschen, SoldatInnen wie ZivilistInnen, gefordert. 100 Milliarden Euro sollen in das deutsche Militär investiert werden, denn Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine bietet einen passenden Vorwand für die Erhöhung der deutschen Kriegsbereitschaft. (In welchen Krieg will die deutsche Regierung damit ziehen?) Sogar die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist mittlerweile Stoff für offene Debatten. Dabei gerät die Realität des Krieges völlig in Vergessenheit. Nicht nur die Realität des Krieges in der Ukraine, der mit jedem Tag, den er länger andauert, schmerzliche Opfer fordert – sondern auch die Bedeutung von Aufrüstung und der zunehmenden Kriegsbereitschaft des deutschen Staates.

Als Feministinnen müssen wir uns mit Krieg und Frieden auseinandersetzen – und damit, welche überwunden geglaubten Formen des Patriarchats dabei hervortreten.

Auch wenn eine Kriegssituation für alle Menschen gleichermaßen lebensgefährlich ist, so sind wir Frauen den Gefahren des Krieges in besonderem Maße ausgesetzt. Eine Kriegssituation bedeutet für die überlebenden Frauen, der permanenten Gefahr der sexuellen Gewalt durch Männer ausgesetzt zu sein. Sexuelle Gewalt fungiert als Kriegswaffe und wird dabei gezielt gegen uns eingesetzt. Die im Krieg kultivierte männliche Verrohung und Gefühllosigkeit schlägt sich im absoluten Zivilisationsbruch nieder, der einen Bestandteil jedes Krieges bildet und den ukrainische Frauen im aktuellen Krieg erleiden.

Auf der Flucht lauern Frauenhändler und Zuhälter darauf, die verletzliche Situation der fliehenden und geflüchteten Frauen ausnutzen zu können, um sie in die Prostitution zu drängen. In Deutschland antizipierten Freier in Freierforen besonders perfide, dass mit dem Strom von geflüchteten Frauen aus der Ukraine nun „neue Ware“ in deutsche Bordelle käme.

Ein tief verankerter Frauenhass und brutalste Urformen des Patriarchats treten in Kriegs- und Krisensituationen hervor. Um diese Probleme an der Wurzel zu packen, braucht es nichts Geringeres als die Abschaffung des Patriarchats; doch solange wir unter der Männerherrschaft leben, fordern wir eine Aufarbeitung und Offenlegung dieser Fälle und die Finanzierung breiter Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen, insbesondere für Geflüchtete. Zusätzlich kämpfen wir Frauen für eine Vermeidung des patriarchalen Zivilisationsbruchs durch Krieg!

Im aktuellen politischen Klima geht die Stimmungsmache in patriarchaler Tradition allerdings nur in Richtung der Kriegsführung, Aufrüstung, der Abstumpfung und der Begeisterung von Waffengewalt. Heldenmythen von Ruhm und Ehre, von einem Kampf bis zum letzten Soldaten, machen sich breit und werden sogar von Teilen der selbsternannten Linken propagiert. Das Bild des heroischen Mannes und des alternativlosen Krieges, das dabei im Mittelpunkt steht, ist eine Urform des patriarchalen Selbstbildes.

Die Verteidigung der ukrainischen Bevölkerung und ihrer Interessen gegen den russischen Angriffskrieg muss aber nicht in deutscher Kriegsverharmlosung und der bedingungslosen Forderung nach schweren Waffenlieferungen, die den Krieg verlängern, münden. Jeden Tag fordert der Krieg neue Opfer – wir fordern, dass der deutsche Staat eine sofortige Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen unterstützt, anstelle auf Profite für die heimische Rüstungsindustrie zu pokern!

Weiterhin fordern wir, dass die Aufrüstung des deutschen Militärs gestoppt wird. Anstelle Frauenhäuser, Beratungsangebote für Betroffene männlicher Gewalt und Nothilfen, insbesondere für Geflüchtete, zu finanzieren, steckt der deutsche Staat 100 Milliarden in die Rüstung! Nie wieder kann uns erzählt werden, dass das Geld fehle, um das Palermo-Protokoll oder die Istanbul-Konvention umzusetzen: Sobald es sich unter Vorwänden rechtfertigen lässt, werden Unsummen hervorgezaubert, um sie in die Rüstungsindustrie und Bundeswehr zu investieren. Wir fordern eine zügige Reevaluierung der Prioritäten, die die deutsche Regierung hier setzt, und die Investition der 100 Milliarden in die soziale Absicherung der Bevölkerung und in das Vorantreiben der Geschlechtergerechtigkeit statt in die Bundeswehr!

Wir fordern Empathie für die Opfer der Kriege.

Wir fordern eine Abkehr von patriarchaler Kriegslogik und eine offene Debatte, die Verhandlungen als Perspektive sieht.

Wir fordern die Ausfinanzierung von Hilfsangeboten für gewaltbetroffene Frauen und wir fordern, nicht als Kollateralschaden von patriarchalen Kriegen begriffen zu werden.

Wir fordern ein Erkennen des Ernstes der Lage.

Und nicht zuletzt fordern wir die Abschaffung des Patriarchats!

Veranstaltung – Was kostet eine Frau am 26.03. in Karlsruhe

Leider etwas kurzfristig, aber ihr solltet es trotzdem nicht verpassen:

Am Sonntag, den 26.03. von 12 – 17 Uhr findet in Karlsruhe im Roten Stern* ein Workshop zu unserem Buch „Was kostet eine Frau – eine Kritik der Prostitution“ statt.

Die Autorinnen Hanna Vatter und Brigitte Kiechle diskutieren mit Euch Prostitution als Teil männlicher Herrschaft sowie feministische Historie zum Thema Prostitution.

Kommt vorbei, gerne auch schon zum Kaffee ab 11 Uhr und kommt mit den Autorinnen und uns ins Gespräch.

Zur Kritik der Prostitution – Was kostet eine Frau?
Workshop mit Hanna Vatter (Prostitution als Teil männlicher Herrschaft) & Brigitte Kiechle (Bebel, Kollontai, Mujeres Libres)
Sonntag, 26. März 2023 – 12-17 Uhr im Roten Stern* Karlsruhe
Kaffee ab 11 Uhr

Abtreibung, oder: Der weibliche Körper als umkämpftes Terrain – Vortrag von Mara Moneyrain

Dieser Vortrag wurde von Mara Moneyrain im Rahmen der Feministischen Thementage des AStA Landau gehalten.

Hört doch mal rein, es loht sich!

Eine Abtreibung, auch Schwangerschaftsabbruch genannt, ist eine intentional herbeigeführte vorzeitige Beendigung einer Schwangerschaft. Seit je her sind Abtreibungen bitter umkämpft. Zeitweise fast komplett von der politischen Bildfläche verschwunden, gewann das Thema Abtreibung in den letzten Jahren wieder deutlich an Aufmerksamkeit. Dies zeigen die jüngsten Ereignisse in den USA, die immer restriktiveren Gesetze in Polen, aber auch die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches in Argentinien.

Was viele nicht wissen: auch in Deutschland sind Abtreibungen illegal und werden nach §218ff des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft.

Aus feministischer Perspektive stellt Abtreibung ein unerlässliches, fundamentales Recht einer jeden Frau, über ihren eigenen Körper zu bestimmen, dar. Die sogenannte Lebensschutzbewegung (auch Pro-Life-Bewegung) versucht hingegen die leibliche Selbstbestimmung von Frauen als Mord am ‚ungeborenen Leben‘ darzustellen und diffamiert Frauen die eine Schwangerschaft abrechen als ‚Mörderinnen‘. Bei der Lebensschutzbewegung handelt es sich nicht um eine Ansammlung einzelner hoffnungslos verwirrte Individuen, sondern um ein breites gesellschaftliches Spektrum, das vom bürgerlich-konservativen Milieu der FAZ-Leser bis zur offen faschistischen Rechten reicht. Die Kriminalisierung von Abtreibungen – einer Praxis die ohnehin zu jeder Zeit und überall stattfindet – stellt letztlich immer den Versuch dar, die Kontrolle über den weiblichen Körper zu erlangen und Frauen ihren Subjektstatus abzusprechen.

Zur Autorin:

Mara Moneyrain ist Autorin und im Feministischen Bündnis Heidelberg organisiert. Von der Notwendigkeit einer neuen militanten, feministischen Bewegung überzeugt, verbringt sie ihre Tage ansonsten als Leistungssportlerin und Lehrerin.

Tag gegen Gewalt an Frauen

Am diesjährigen Tag gegen Gewalt an Frauen gehen wir wieder auf die Straße! Diesmal laden wir herzlich zu einer anschließenden Frauenkneipe in der Altstadt ein.

Ob Corona oder Preissteigerungen – Krisenzeiten sind gefährlich für Frauen. Finanzielle Not und Isolation machen es schwer, Beziehungen zu beenden, und lassen den eigenen Freund oder Ehemann oft zum schlimmsten Alptraum werden. In den vergangenen zwei Jahren ist die Anzahl der Fälle von männlicher Gewalt gegen Frauen massiv angestiegen, so das BMFSFJ, und ein Ende scheint angesichts der fortlaufenden Krisen nicht in Sicht: Vielen Männern ist es anscheinend nicht zuzutrauen, ihren Unmut über den Zustand der Welt anders zu verarbeiten, als ihn in Frauenhass und in Gewalt gegen uns zu kanalisieren.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, nicht nur das des missbräuchlichen Partners. Sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum, die bis zur Vergewaltigung eskalieren kann, zeigt uns die schmerzliche Realität auf, dass wir uns weder im Privaten noch in der Öffentlichkeit sorglos und ohne Angst vor männlicher Gewalt bewegen können.

Und Gewalt gegen Frauen hat System: Grundpfeiler unserer Unterdrückung sind gesetzlich festgeschrieben und strukturell im Kapitalismus verankert. Der gesetzliche Umgang mit Prostitution, Pornografie und Abtreibungsrechten, die Unterfinanzierung von Hilfsangeboten, die doppelte Ausbeutung der Frau in Familie und Betrieb – hier gehen Patriarchat und Kapitalismus Hand in Hand, um Gewalt an Frauen entweder direkt zu legitimieren oder die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Strukturelle Gewalt gegen Frauen, die Sicherung der männlichen Vormachtstellung durch den Staat, ist auch der Grund für die Proteste im Iran, wo sich mutige Frauen gegen den Kopftuchzwang stellen und dafür in vielen Fällen mit ihrem Leben bezahlen.

Die Situation ist nicht tragbar – wir fordern den Ausbau von Hilfsangeboten für Frauen, ernsthafte Präventionsmaßnahmen, die schon Teil der schulischen Bildung sind, und die lange überfällige, vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention!

Protestiert am Tag gegen Gewalt an Frauen gemeinsam mit uns! Im Anschluss daran freuen wir uns auf ein entspanntes Miteinander in der Frauenkneipe, wo es Gelegenheit für den persönlichen Austausch gibt. Frauen, schließt euch zusammen!

Kundgebung zum Safe Abortion Day

Am 28. September ist Safe-Abortion-Day!

In diesem Jahr wurde mit der Streichung des § 219a aus dem Strafgesetzbuch ein wichtiger Meilenstein für die Frauenbewegung erkämpft. Der Paragraf verbot faktisch die Information über Schwangerschaftsabbrüche durch ÄrztInnen – seine Abschaffung war lange überfällig. Und für uns ist klar: Das reicht noch lange nicht!

Noch immer ist Abtreiben nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche gestattet, noch immer müssen sich ungewollt Schwangere einer Zwangsberatung unterziehen, noch immer bedeuten Abtreibungen einen massiven Zeit- und insbesondere Kostenaufwand (350-600€) für die ungewollt schwangere Frau – denn die Abtreibung muss im Regelfall aus eigener Tasche bezahlt werden, ÄrztInnen, die den Eingriff durchführen, sind rar und meist weit entfernt, eine Freistellung von der Arbeit gibt es für den Tag des Eingriffs nicht. In vielen Fällen muss der umständlich gemachte Abbruch aufgrund gesellschaftlicher Stigmata heimlich stattfinden.

Uns Frauen wird es noch immer mutwillig erschwert bis verunmöglicht, Abtreibungen vornehmen zu lassen: Deutschland ist noch weit davon entfernt, Schwangerschaftsabbrüche als selbstverständlichen Ausdruck der weiblichen körperlichen und sexuellen Selbstbestimmung zu begreifen. Im Gegenteil zeichnet sich ein starker Rückgang der praktizierenden ÄrztInnen ab, denn Schwangerschaftsabbrüche werden nicht im Medizinstudium gelehrt – der Eingriff wird nur „freiwillig“ erlernt und durchgeführt. Obendrein sind diese ÄrztInnen stetigem Terror durch AbtreibungsgegnerInnen ausgesetzt und wurden bis vor Kurzem über den § 219a StGB vom patriarchalen Staat mit Geldstrafen bedroht. Für die Verbesserung der Situation tut die Regierung rein gar nichts.

Schwangerschaftsabbrüche gelten im Strafgesetzbuch als „Straftaten gegen das Leben“, bedeuten einen massiven Kostenaufwand und dürfen nur unter den strengen, willkürlichen Regeln des patriarchalen Staates durchgeführt werden. Von einer selbstbestimmten, freien Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft kann keine Rede sein.

Wir fordern daher: Die völlige Streichung der Abtreibungsparagraphen (§§ 218-219b) aus dem Strafgesetzbuch und eine außerstrafrechtliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen! Bedingungslose Übernahme der Kosten für den Eingriff durch den Staat! Schwangerschaftsabbrüche als Teil des Medizinstudiums und eine flächendeckende Sicherstellung von Abtreibungsangeboten!

Kommt am 28. September mit uns auf die Straße, um unseren Forderungen Gehör zu verschaffen! Wir sehen uns um 16:30 Uhr auf dem Marktplatz!

Macht auch ihr mit am Bundesweiten Aktionstag!!

Rede zum Safe Abortion Day

Wie jedes Jahr müssen wir auch heute wieder hier stehen und für unserer Recht auf freie
Abtreibung kämpfen. Häufig vergessen wir jedoch in unserem feministischen Kampf, dass die
Grundlage für diese Abtreibungsregelung gesellschaftlich und dadurch kapitalistisch bedingt ist.
Die Unterdrückung der Frau ist ein fundamentaler Bestandteil kapitalistischer Produktionsweise
und uns muss klar werden, dass wir die so oft geforderte Selbstbestimmung nicht in diesem
System erlangen werden. Wir müssen endlich anfangen den Feminismus materialistisch zu
denken! Doch was heißt das Konkret? Kurt Tucholsky schrieb 1931 den Text: „Die Leibesfrucht
spricht“.
„Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.
Ich soll wachsen und gedeihen; ich soll neun Monate schlummern; ich soll es mir gut sein lassen –
sie wünschen mir alles Gute. Sie behüten mich. Sie wachen über mich. Gnade Gott, wenn meine
Eltern mir etwas antun; dann sind sie alle da. Wer mich anrührt, wird bestraft: meine Mutter fliegt
ins Gefängnis, mein Vater hintennach; der Arzt, der es getan hat, muß aufhören, Arzt zu sein; die
Hebamme, die geholfen hat, wird eingesperrt – ich bin eine kostbare Sache.
Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.
Neun Monate lang.
Wenn aber diese neun Monate vorbei sind, dann muß ich sehn, wie ich weiterkomme.
Die Tuberkulose? Kein Arzt hilft mir. Nichts zu essen? keine Milch? – kein Staat hilft mir. Qual und
Seelennot? Die Kirche tröstet mich, aber davon werde ich nicht satt. Und ich habe nichts zu
brechen und zu beißen, und stehle ich: gleich ist ein Richter da und setzt mich fest.
Fünfzig Lebensjahre wird sich niemand um mich kümmern, niemand. Da muß ich mir selbst
helfen.
Neun Monate lang bringen sie sich um, wenn mich einer umbringen will.
Sagt selbst:
Ist das nicht eine merkwürdige Fürsorge –?“
Natürlich müssen heute die wenigsten Frauen nach einer Abtreibung ins Gefängnis, noch muss
ein unerwünschtes Kind im Regelfall verhungern.
Dennoch zeigt sich die Aktualität des Textes auch heute noch. Abtreibungsgegner sprechen
immer noch von der „Menschenwürde“ des ungeborenen Lebens, unterschlagen jedoch die
Würde des geboren Lebens , die Würde der Frau. Und sie stehen damit nicht alleine da, es ist im
Kapitalismus gesellschaftlicher Konsens, dass die Menschlichkeit der Frau negiert werden muss.
Wo ist die Würde der Frau, wenn die Gesellschaft ihr vorschreiben kann, dass sie Mutter sein
muss. Wo ist die Würde der Frau, wenn ihr nackter und entstellter Körper auf einem Sticker mit
der Aufschrift zwischen ihren Beinen „Männerparkplatz: Steile berge feuchte Täler“ prangt; Wo ist
die Würde der Frau, wenn sie keine zwei Meter alleine durch die Straßen laufen kann, ohne ein Teil
einer widerlichen Fantasie von Männern zu werden.
Die Ausbeutung der Frau stellt einen Grundpfeiler des Kapitalismus dar, ob durch Care-Arbeit
oder Gebärmaschine missbraucht, der weibliche Körper wird in jeder Lebenslage für die
Mehrwertproduktion nutzbar gemacht. Die Mehrwertproduktion, also das durch die Ausbeutung
aller Arbeiter geschaffene Mehrgeld ist zentraler Bestandteil des Kapitalismus.
Im gesellschaftlichen Diskurs ist die Frau per Natur aus das schwächere Geschlecht.
Es wird behauptet sie könne während ihrer Periode nicht klar denken, sei hysterisch und zu
emotional; und damit unfähig einer Verantwortung.
Nicht nur ist sie unfähig Verantwortung über ihr ungeborenes Kind zu haben, nein ihr wird
zusätzlich die Verantwortung über ihren eigenen Körper abgesprochen.
Diese Form der Unterdrückung ist in vielerlei Weisen durch das System des Kapitalismus bedingt.
Zum Ersten ist es Im Kapitalismus von Nöten, ein rationales, allseitsbereites Subjekt zu sein um
arbeitsfähig zu bleiben. Also müssen Eigenschaften, die den arbeitenden Menschen davon
abhalten in diesem System zu funktionieren abgespalten werden. Diese Eigenschaften, wie
Emotionalität und Verletzlichkeit können nicht einfach weggeschoben werden und damit
verschwinden, sie müssen auf etwas anderes übertragen werden, auf ein zweites Subjekt. Die
Frau.
Die erste und häufig einzige Erfahrung die Männer mit Eigenschaften, wie Fürsorge und
Zärtlichkeit machen, ist in der Beziehung zu ihrer Mutter. Dieses Bild der Mütterlichkeit überträgtder Mann auf Frauen im Allgemeinen. Der Kapitalismus macht sich dies zu nutzen, eben weil er
den benötigten Mehrwert nur durch die Ausbeutung von Arbeitern und Arbeiterinnen erzielen
kann.
Die Frau wird zur Produktionsstätte der benötigten Arbeiter der Kapitalakkumulation, denn ohne
sie funktioniert das System nicht.
Aber auch der Wirtschaftsbereich der Care-Arbeit stützt sich auf die Stereotype der weiblichen
Fürsorglichkeit. Care-Arbeiten benötigen eine Beziehung zwischen zwei Subjekten, anders als im
normalen Arbeitsprozess, in dem es eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt gibt.
Die Profitgewinnung in dem Arbeitsbereich der Care-Arbeit stößt jedoch auf Grenzen. Es ist
schwer möglich die zeitliche Effizienz zu steigern, wie z.b. durch Maschinen oder eine Teilung der
Arbeitsschritte.
Möchte eine 3. Instanz dennoch Profit in diesem Bereich erwirtschaften, kann dies nur durch eine
größere Ausbeutung der Arbeitskraft funktionieren.
Wir können uns in unserem Kampf gegen diese Ausbeutung und Unterdrückung nicht auf den
Staat verlassen, denn er ist Teil des Problems und profitiert von unserer Unterdrückung. Staat und
Kapital stehen in einer gegenseitigen Abhängigkeit voneinander.
Der Staat braucht das Kapital eines Landes um sich in der der Weltmarktkonkurrenz gegen
andere Nationen behaupten zu können. Das Kapital braucht den Staat um Gesetze zu erlassen,
die sein Fortbestand sichern und diese mit exekutiver Gewalt durchzusetzen, so zum Beispiel die
Abtreibungsgesetze. Man bezeichnet diese Abhängigkeit indem man den Staat analytisch als den
Ideellen Gesamtkapitalisten fasst. Der Staat garantiert nicht das überleben einzelner
Unternehmen, sondern das Überleben der gesamten kapitalistischen Ordnung.
In der breiten Gesellschaft heißt es oft, dass wir die Gleichstellung von Frau und Mann schon
längst erreicht haben. Solange Frauen jedoch zu jeder Tageszeit Angst vor sexuellen Übergriffen
haben müssen, solange in Deutschland alle 3min eine Frau vergewaltigt wird, solange Frauen im
Durchschnitt weniger Gehalt bekommen und solange der Körper der Frau als Mutter, Prostituierte,
Arbeiterin oder Masturbationsgegenstand ausgebeutet und missbraucht wird ist die Rede von
einer scheinbar erreichten Gleichstellung nur ein weiterer Unterdrückungsmechanismus um
unseren feministischen Kampf einzudämmen.
Eben weil die Wirtschaftsweisen einer Gesellschaft aufs Engste mit den Lebensweisen der
Menschen verknüpft sind, müssen wir anfangen den feministischen Kampf auch als einen
antikapitalistischen zu verstehen. Wenn wir also von unserem Recht auf Abtreibung sprechen,
dann müssen wir mit der einfältigen Sichtweise des Feminismus brechen, die uns erzählen will,
dass wir in diesem System unsere Befreiung erkämpfen können; Unsere Befreiung fängt genau
dann an wenn dieses System endet.
Organisiert euch, lernt wieder schwesterlich miteinander zu streiten, dass wir es endlich schaffen
dieses System der Ausbeutung und Unterdrückung aus den Angeln zu heben! Für den
Kommunismus und für eine tatsächliche Selbstbestimmung der Frau!

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